Katergedichte. Zum Lesen in dérangierten Zuständen


Kater Aber um Gotteswillen, Yvonne, höre mich, ich habe keine Kraft mehr ... komm zurück. Ich werde nicht mehr trinken, alles, was Du willst. Ich sterbe ohne Dich. Um Jesu Christi Willen, Yvonne, komm wieder zu mir, höre mich, es ist ein Schrei, komm wieder zu mir, Yvonne, wenn auch nur für einen Tag...

Malcolm Lowry, Unter dem Vulkan


O HERR, lass mich noch eine Flasche trinken ! / Dann geb‘ ich dir mein Kreuz zurück ! / Wenn über mir die Sterne blinken, hüll' ich mich in mein Säuferglück und träum' von Rauschgoldengeln...

Nass und bloss lieg‘ ich in ihrem Rauschgoldschoss...

Und wenn ich tief in ihn gesunken, steh‘ ich vor dir / Noch leicht betrunken / Entzünd' Maria von den reichen Schmerzen ein dickes Bündel Wunderkerzen, / Gelob' ihr, tiefer nicht zu sinken / Geweihtes Wasser nur zu trinken / Und wenn sie tourt auf Spaniens Prozessionen:

O Herr, lass uns entkorken deine
Kronen !


DIR KEINE SCHMERZEN ZUZUFÜGEN, bin ich nicht fähig NEIN ! zu sagen / Stattdessen fahr ich fort, dich zu belügen / Und mich / Und bin zu feige, das zu wagen, was nötig wär' : der eig'nen Haut entflieh'n und jemand And'res werden ! / Jedoch im Himmel und auf Erden, zu jeder Zeit, an jedem Ort, trag' ich doch immer im Gepäck mich s e l b s t und finde kein Versteck ! / So lauf‘ und lauf‘ und lauf‘ ich fort / Und wild're traurig vor mich hin...

Es grüsst dich deine Lügnerin !

Im Grunde deines Herzens bin ich doch ein fast versiegtes Wasserloch, das deinen Durst nicht stillt, nicht sprudelt / Ein Flugzeug mit gebroch'nen Segeln ... abgetrudelt...

Zwei fallbeschirmte Fünklein auseinander strebend und sehr getrennt zur Erde schwebend: so landen wir mit Angst im Dunkeln / Doch immerhin, auch Fünklein funkeln und könnten, wenn man sie mit viel Respekt behandelt und mit Stroh bedeckt zu einem Feuer sich entschliessen.

Mit wenig Hoffnung und mit lieben Grüssen und manchem stummen Nachtgebet !

Es grüsst dich dein v e r s t e i n e r t e r Poet !


NEULICH SAGTE EINE FRAU : Zum Beispiel wüsst' sie ganz genau, dass alle Männer Schweine sind.
Sprach's, trat in eine Kneipe ein und suchte sich ein prächtig Schwein !

Was soll's, so dachte ich beim Weinchen,
Hauptsache, es ist warm: das
Schweinchen !


WENN DEINE FRAU, die jahrelang gegeizt mit ihren Reizen noch einmal die Schenkel spreizt und ihr euch findet, wie ihr euch gefunden habt / Dann, kampfesmüder Supermann, dann bricht dein letzter Frühling an / Ein Frühling, den du nur begreifst, wenn du den Herbst von ihren Schenkel streifst und sie begehrst und in sie fährst und ... SCHLUSS ! Ich lasse euch in Ruh‘ und zieh‘ diskret den Vorhang zu...

Nur einen Rat noch: lass sie nicht erkalten, sie muss noch bis zum Tode
halten !


ZWILLINGE WOLLTE DAS JUNGE GLÜCK, aus einem Guss und in einem Stück, an glücklichen Köpfen und glücklichen Haxen haut - sympathetisch zusammengewachsen / Doch wie's Leben so spielt, es sollte nicht sein, man hatte daneben gezielt, und ein Einling, ein einsames Ding kam zur Welt, das sie RUDOLPH sich nannten ! / Und als zur Feier die Vorhänge brannten und Alles floh, sprach Rudolph so:

Ich frass mich geduldig durch Mütterleins Kuchen und kraulte unschuldig,
einem Kaulquäppchen gleich, alleine im Teich, ihr müsst mich als
Fehltritt verbuchen !

Das Publikum schwieg, und ein Feuerwehrarm hielt ein
Bündelchen warm, etwas Russ nur von Rudolph
verblieb.


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