|
Die Terroristen
Exposé:
Im Medium der fiktionalen Liebesbeziehung zwischen dem aus einer Münchner Juristenfamilie
stammenden, in Berlin Politologie studierenden Paul und seiner proletarischen, drogenabhängigen
Freundin Ricki wird die Geschichte der ersten RAF - Generation vom Mai 1970 ( Befreiung Andreas
Baaders ) bis Oktober 1977 ( Tod in Stammheim ) künstlerisch reflektiert. Die Handlung entwickelt sich
zwischen den Klammern: Beweisaufnahme und Urteil in Pauls Prozess wegen unerlaubten Waffenbesitzes
und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung. Collageartig werden z. T. satirische Szenen aus
Staatsapparat und Bundeskriminalamt eingearbeitet, es ist von Beginn an klar, dass die Gewalttätigkeit
der Terroristen immer auch Reaktion auf die Gewalt des Apparates war. Pauls Protest richtet sich nicht
nur gegen Vietnam und Schahbesuch in Berlin, sondern auch gegen ein in seinen Nazi - Nostalgien
befangenes Münchner Bürgertum, vertreten durch Pauls Vater, einem emeritierten Professor für Strafrecht
an der Maximilians Universität und seiner Mutter, Grande Dame der Münchner Gesellschaft. Beide zeigen
nicht das geringste Verständnis für ihren Sohn, der Vater bedauert sogar, dass Paul, der Versager, nicht
einmal bei den Terroristen zur ersten Garnitur gehören würde. Meinhoff, Baader, Ensslin sind nicht
personell anwesend, als v. A. Pias politische Bezugspunkte gleichwohl präsent. Pia, Pauls ehemalige
Freundin, schwer verletztes Opfer der Berliner Anti - Schah - Demonstrationen von 1967 ist es auch, die
zur Praxis drängt. Sie schliesst sich dem terroristischen Untergrund an und nimmt Teil am Anschlag
auf das Hauptquartier der U.S. Streitkräfte in Frankfurt 1972. Als sie verhaftet und eingesperrt wird,
entscheidet sich Paul, sie zu befreien. Jan, verbummelter Student, Typus hedonistische Linke, schlägt vor,
den während eines Besuches von Pauls Eltern in dessen Wohngemeinschaft von ihm gestohlenen, Pauls
Vater gehörenden Jaguar, ursprünglich gedacht, der mondänen Sophie, seiner grossen, unerwiderten Liebe
zu imponieren, als Fluchtauto zu benutzen. Ricki wird durch Paul von der Befreiungsaktion
ausgeschlossen: Du hast genug damit zu tun, keine Drogen zu nehmen ! Während eines Besuches in
seinem Elternhaus stiehlt Paul eine Wehrmachtspistole aus dem Waffenschrank seines inzwischen
verstorbenen Vaters, ohne die entsprechende Munition mitzunehmen. Sophie, eifersüchtig auf Pauls Liebe
zu Ricki und nicht länger Willens, zu Gewalt und Zerstörung zu schweigen, denunziert Paul. Paul war,
anders als die radikalisierte Pia, nie bereit zu töten und bekräftigt das eindringlich in den Dialogen
zwischen ihm und Pias Vater, einem evangelischen Pfarrer, der ihn in der Justizvollzugsanstalt München,
Stadelheim besucht. Es kommt nicht zur geplanten Befreiungsaktion. Pia, unfähig ihre Isolationshaft zu
ertragen, begeht Selbstmord, Ricki, von Pauls Zurückweisung enttäuscht und wieder in die Droge
geflüchtet, gerät in die Mühlen der Zwangstherapie. Sie wird von Jan, der mit dem Erlös aus dem Verkauf
des Jaguars mittlerweile über das Startkapital zu einer alternativen Autowerkstatt verfügt, befreit und zu
Paul in die Besucherzelle seines Gefängnisses gebracht. Paul und Ricki versöhnen sich, ihr Duett handelt
von der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nach Verbüssung von Pauls dreijähriger Gefängnisstrafe. Im
Abspann des Stückes berichtet eine Stimme aus dem off von der Entführung der LANDSHUT durch
arabische Terroristen, dem Mord am Piloten, der Befreiung der Geiseln in Mogadischu und dem Tod der
RAF - Mitglieder in Stammheim.
Link zum Thema: de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee_Fraktion
|