Opern-Uraufführung in der Scheune des Grillparzerhofes:
"Don Quixote" im Mühlviertel
In einem äußerst unkonventionellen Rahmen, nämlich in der Scheune des Grillparzerhofes in Kirchberg ob der Donau, fand am Mittwoch die Uraufführung der Oper "Don Quixote" statt.
Der Komponist Karlheinz Schrödl schrieb diese Oper eigens für den Grillparzerhof und trug der Akustik und dem Raum Rechnung, indem er eine ungewöhnliche Instrumentation wählte.
Ohne den geschichtlichen Rahmen zu verlassen, konzentriert sich das Libretto von Rolf Rettberg auf Aspekte des weltbekannten Romans von Miguel de Cervantes Saavedra. Das Kammerorchester, bestehend aus nur zehn Musikern, paßte sich in der Linienführung der Musik sowohl den absurden als auch den lyrischen Momenten der Handlung an. Die musikalische Leitung hatte Georg Leopold, Regie führte Josef Oberauer vom Welser TheaterAufstand, der auch singend als Don Miguel und Christus in Erscheinung trat.
Besonders erwähnenswert ist die Leistung des jungen Baritons Klaus Kuttler, der kurzerhand für einen Kollegen als Don Quixote einsprang, in knapp einer Woche die ganze Partie erlernte und diese auch ansprechend umsetzte. Gerhard Lehner beeindruckte als Knappe Sancho Pansa vor allem durch seine schauspielerischen Fähigkeiten.
Recht herzliche Gratulation allen Mitwirkenden und vor allem den Initiatoren dieser Kulturinitiative zu einem wirklich gelungenen Projekt.
Neues Volksblatt 18.7.1997
TheaterAufstanD mit gelungener Opern-Uraufführung im Mühlviertel
Don Quixote reitet im Grillparzerhof
Die gelungene Welturaufführung der Oper "Don Quixote" durch den TheaterAufstanD Wels in der Scheune im Grillparzerhof in Kirchberg ob der Donau sollten sich Freunde dieses Genres nicht entgehen lassen. Das Ensemble um den rührigen Josef Oberauer beweist einmal mehr Unternehmungsgeist. Das Ergebnis ist ein höchst qualitätsvoller Abend im romantischen Ambiente des alten Gemäuers.
Von Christine Grubauer
Die Oper "Don Quixote" erweist sich als eine lyrisch-humorvolle Vertonung von Karlheinz Schrödl (Jg. 1939), der es versteht, mit delikaten, kammermusikalischen Ausdrucksmitteln (7 Bläser, Kontrabaß und Schlagzeug) die Erlebnisse des "Ritters von der traurigen Gestalt" und seines treuen Dieners Sancho Pansa (Gerhard Lehner, Baß), ihre heroischen Kämpfe gegen Bösewichte und Windmühlen, darzustellen.
Das Libretto von Rolf Rettberg (Jg. 1948) folgt der großen Erzählung. Mit den Figuren Christus und Don Miguel (Josef Oberauer, Tenor) setzt der Autor allerdings neue Akzente. Umsichtig und klar führt Georg Leopold die Musiker und Sänger. Herausragend in Michael Scheidls Inszenierung vor allem die grandiose Leistung von Klaus Kuttler (Bariton) als Don Quixote, der als Einspringer in kürzester Zeit den Titelpart übernahm und damit die Aufführung rettete. Dazu kann er auch durch Textdeutlichkeit und sonoren Stimmglanz für sich einnehmen. Als versierter Baß mit Darstellungserfahrung stellte sich Gerhard Lehner vor. Die Mezzosopranistin Dagmar Hödl überzeugte stimmlich und schauspielerisch als Gelasia und Dulzinea. In einer Sprechrolle bewährte sich Gerhard Peilstein.